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Eine vorweihnachtliche Ra(s)thausgeschichte

Posted on 24 November 2012 by Dr. Volker Steude

Ottilie & der Geldmann

Ottilie, die Bürgermeisterin traut ihren Augen nicht. Während sie erfreut über die konstruktive Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung in ihrem Rathaus-Zimmer sitzt und gemeinsam mit dem Kämmerer die letzten Schroben zählt, rauscht etwas an dem Fenster vorbei, das aussieht wie .. wie .. wie ihr geschätzter Mr. Goldmann.
„Herr Busch, ähm Manni, hast du gesehen was ich gesehen habe“, kommt es stockend und zugleich aufgeregt aus ihrem Mund. Herr Busch, völlig vertieft dabei die Geld-Münzen zu Türmchen aufzuschichten, zieht die Augenbrauen hoch und entgegnet: „Nein, Ottilie, habe ich nicht. Was hat sie denn gesehen, was sie so vom Hocker haut. Na-na, sie hat sich doch nicht heimlich einen zusammengebraut?“

Ottilie, die felsenfest an den Weihnachtsmann glaubt bzw. fest daran, den Weihnachtsmann gesehen zu haben, in Gestalt von Herrn Goldmann (oder umgekehrt) räuspert sich. „Also ich könnte meinen entleerten Geldschrank verwetten, drei volle Flaschen Rotwein und ein Six-Pack Weißwein, dass ich Volker, den .. ähm .. als Weihnachtsmann hab auf einem goldenen Schlitten mit einem Barscheck und weiße Rentiere vorbeigaloppieren sehen“. Herr Busch, der ebenfalls auf Rettung setzt bzw. prompt aufmerksam wird, setzt seinen Drehstuhl in Gang, Richtung Ottilie. Unauffällig versucht er mit der Nase eine Probe von Ottilies ausgehender Atem-Luft zu erhaschen und zieht diese sanft ein. Es riecht weder nachSchnaps noch nach Glühwein.

„Ho-Ho-Ho“, scherzt der Kämmerer, „so lange sie keine weißen Mäuse sieht…“. Amüsiert über den Trugscheck bzw. das Trugbild von Frau Scholz wendet sich Herr Busch seiner Arbeit zu und stapelt fleißig weiter Türmchen. „Ein Türmchen für den Ernie Kratzsch, ein Türmchen für den kleinen Aschenbrenner, einen Aussichtsturm für den Herrn Townsend, einen Glockenturm für die Bosy-Boys, einen Turmalin für die Ottimaus , eine Turm- und Schwimmhalle für die Schulkinder..“, und so weiter, und so weiter.

„Mache er keine dummen Scherze. Ich habe noch nie weiße Mäuse mit Rentieren verwechselt“, verteidigt sich die Rathausdame und eilt ans gegenüberliegende Fenster. „Da, sehe er nur“, ruft Ottilie entgeistert, „da ist er ja wieder. Voll der Volker, mit weißen Bart. Oh,oh, und ohne Haare, das ist hart“.
Das sollte reichen. Verärgert über die Version vielmehr Vision seiner Kollegin lässt Herr Busch einen Spruch los, den Ottilie sich sehr zu Herzen nehmen soll. „Das mag ja sein, werte Kollegin, dass sie noch nie weiße Mäuse von Rentieren zu unterscheiden vermochte. Dennoch ist ihr hier eine bedauernswerte Verwechslung unterlaufen“.

Der Kämmerer lässt Türmchen Türmchen sein und drängt sich zu ihr ans Fenster. „Schau sie genau hin“, fordert er, „was oder wen sieht sie da?“ „Mensch Ottilie“, setzt Herr Busch an, „das ist doch der Weihnachtsmann, der da mit seinem Schlitten die Stadt in Stimmung versetzt und nicht der olle Goldmann, der viel lieber anderweitig das Geld der Sparer versetzt”.

Die Rathausuhr schlägt 12, fünf Stunden später 17 Uhr. Mit dem ersten Gong lässt auch Herr Busch erledigt von der Arbeit bzw. von seinen Türmen ab. Zur Feier des Feierabends soll, wie üblich, noch ein Sektkorken nach dem anderen knallen bevor man sich wie gewohnt zur After-Work-Glühwein-Party in die Kortumstraße aufrafft. „Ich glaube, liebe Ottilie, dass ein Turm für eine Zecherei, oder zwei, vollkommen ausreicht“, kalkuliert Herr Busch, und zerlegt das ansehnliche Türmchen in kleine Stücke bzw. in Klein-Geld-Stücke.

Fortsetzung folgt..

Hildegard Grygierek

Bildnachweis: Weihnachtsmarkt, Foto: Stadt Bochum

1 Comments For This Post

  1. Wolfgang Hoinko Says:

    ..und wenn sie nicht gestorbe sind, dann leben sie immer noch heute… auch ich wünsche allen Bäh-Bürgern eine schöne vorweihnachtliche Zeit..

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