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Mehr Schein als Sein – Die Stadtoberen von Bochum

Posted on 24 November 2012 by Dr. Volker Steude

Es ist vollbracht, erst haben die Verantwortlichen aus Verwaltung und Rat die Stadt finanziell heruntergewirtschaftet, jetzt haben sie auch noch den Ruf der Stadt ruiniert.

Alle Medien ergötzen sich an der Unfähigkeit der Politiker dieser unserer Stadt. Statt „arm aber sexy“ wie Berlin, hat Bochum sich das Image „arm und doof“ erworben. Eine erschreckende Entwicklung.

Wie konnte es dazu kommen?

Bochum wird regiert von einer kleinen Gruppe Politiker und Bürokraten, die Bochum als minderwertig gegenüber anderen Städten in Deutschland aber insbesondere im Ruhrgebiet empfinden. Ihnen fehlt in Bochum das Großstadtflair anderer Städte, das Besondere von dem man anderen in Deutschland und der Welt stolz erzählen kann.

Für sie unerträglich: Bochum kennt bereits in Europa kaum jemand mehr. In Europa kann man noch erklären, die Stadt liegt bei Essen oder Dortmund, in der Welt kennen die Menschen allenfalls die „Nachbarstadt“ Köln. Diese Wahrnehmung von Bochum passt nicht zum Geltungsbedürfnis der Stadtoberen. Bochum ist keine Kulturstadt wie Florenz, sie ist nicht weltoffen wie Zürich oder eigen wie San Sebastian. Es besitzt nicht die bauliche Schönheit von Krakau und ist auch nicht so jung wie Nantes.

Offensichtlich können sich damit die OB und andere nicht abfinden. Sie empfinden sich als minderwertig, wenn die Stadt nicht mindestens dieselbe Aufmerksamkeit erfährt wie die Nachbarstädte Essen und Dortmund. Schaut man sich die alten Bochumer Jahressschauen an, so ist schon in den 60er und 70er Jahren immer wieder das Drängen der Stadtoberen zu spüren die großen Städte in der Nachbarschaft übertrumpfen zu wollen. Das immer wieder genannte Ziel „Oberzentrum“ zu sein und alles haben zu wollen, was eine Großstadt ausmacht, ließ sich aber bis heute nicht erreichen. Es fehlte insbesondere das Geld, jedoch auch die Ideen. Aber selbst wenn es am Finanziellen nicht gemangelt hätte, die Lage zwischen Essen und Dortmund hätte es nicht zugelassen über die Nachbarn hinauszuwachsen.

Diese Ausgangslage ignorierend, wollen die Mächtigen in Bochum die Wertigkeit der Stadt trotzdem zur Schau gestellt wissen. Also lädt man sich gegen Geld den Glanz ein, den die Stadt eigentlich nicht hat. Da kommt der Promi-Vermittler Hellen gerade recht und arrangiert inhaltlich hohle Promi-Sausen wie Steiger-Award, Artrium-Talk und Herausforderung Zukunft. Alle Beteiligten inklusive der Medien wissen, einen Steiger-Award bekommt derjenige Promi, der gerade am Veranstaltungstag nichts besseres zu tun, das Geld gerade nötig hat oder für sein Charity-Engagement gebrauchen kann. Die angeblich die Preise verteilende Jury kennt keiner. Wenn es sie überhaupt gibt, dann besteht sie wohl nur aus Hellen und allenfalls ergänzend tätigen Getreuen. Aber der schöne Schein der Hellen-Events zieht alle in seinen Bann. Auch die örtlichen Medien dürsten nach Aufmerksamkeit. Anders sind die rückblickend hochnotpeinlichen Lobesorgien in der lokalen Presse für einen seelenlosen, ja albernen Fake-Award kaum zu erklären.

Man gewinnt den Eindruck die Bochumer Stadtoberen wollen mehr scheinen als sie sind. Weil man glaubt, man habe nichts Authentisches zu bieten, kauft man sich den Schein auf billigste Art und Weise zusammen. Aber alle in Deutschland haben’s gemerkt. Allein in Bochum hat man gedacht durch derart initiiertes Promi-Schaulaufen könnte man sich ein besseres Stadtimage erkaufen. In Wahrheit haben alle, die auf Bochum von außen gesehen haben über die durchsichtigen Bemühungen der Stadtoberen nur gelacht. Erst hinter vorgehaltener Hand, jetzt, wo es schief gegangen ist, mit Häme auf offener Bühne.

Auch der unbedingte Wille ein Konzerthaus bauen zu wollen, nur weil Dortmund und Essen auch eins haben und vermeintlich alle anderen Großstädte, mit denen man sich in einer Liga wähnt, soll dem Schein dienen. Heraus kommt ein total uninspirierter brauner Klinker-Klotz, von dem alle wissen, dass der Stadt für dessen Erhalt und Unterhalt das Geld fehlen wird. Nach 10 Jahren werden die Sitze so verschlissen sein, wie jetzt im Schauspielhaus und es wird kein Geld verfügbar sein, diese zu ersetzen. Den ruinierten Ruf der Stadt wird dieses allenfalls zweitklassige Gebäude jedenfalls nicht retten können.

Auch das teilweise aberwitzige Bemühen der Stadtoberen Bochum müsse unbedingt eine Fußballmannschaft haben, die in der 1. Liga spielt, entspringt dem eigenen Eindruck, dass Bochum als Stadt zweitklassig sei. Zumindest beim Fußball will man unbedingt erstklassig sein. Da es aber an zahlungskräftigen privaten Sponsoren fehlt, wurden die Stadtwerke als Finanzier zwangsverpflichtet, damit sich die Stadtoberen doch noch im Schatten einer Erstligamannschaft sonnen können.

Braucht Bochum Promi-Schauläufe, ein Konzerthaus und eine Erstligamannschaft?

Die Bürger haben danach keinerlei Bedarf. Sie wollen in einer lebenswerten Stadt wohnen. Sie wollen sich nicht für den schlechten Ruf der Stadt rechtfertigen müssen. Ihnen ist eine gute städtische Infrastruktur, ausgezeichnete Schulen und ähnliches wichtig. Die Menschen leben im Ruhrgebiet. Wenn es kulturelle oder andere Highlights in den Nachbarstädten gibt, dann besteht nicht der Anspruch diese auch in Bochum zu haben. Mehr Schein als Sein, danach steht den Bürgern nicht der Sinn. Klar, die Menschen fiebern gerne mit dem Vfl, sicher auch noch mehr, wenn der Verein in der 1. Liga kickt, doch ihr letztes Hemd würden die allermeisten auch dafür nicht geben. Die Minderwertigkeitskomplexe der Stadtoberen in den VIP-Loungen plagen die wirklichen Bochumer nicht. Die sehen ihre Stadt wie sie ist, leider total verbaut, keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau. Sie leben, wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld. Dieser Text rührt die Bochumer an. Hier liegt der Ausgangspunkt für die Zukunft der Stadt. Es gibt Bereiche, auf die die Stadt aufbauen kann, insbesondere die Gesundheitswirtschaft und die Hochschulen, speziell die RUB. In die Bildung muss die Stadt massiv investieren. Der Erfolg wird sich nur langfristig, nicht kurzfristig einstellen. Dafür wird er nachhaltig sein.

Diejenigen unter unserer Stadtoberen, die das unbedingte Bedürfnis verspüren sich neben Promis ablichten zu lassen, um etwas von deren Glanz abzubekommen, denen 20 Minuten Fahrt zum Konzerthaus nach Essen, Dortmund oder Gelsenkirchen zu weit sind, und die in der VIP-Lounge auf 1. Liga-Fußball nicht verzichten können, leben in der falschen Stadt.

Das kurzsichtige Bedürfnis nach Aufmerksamkeit einiger weniger darf jedenfalls nicht zur Folge haben, dass dadurch der Ruf einer ganzen Stadt ruiniert wird. Es ist nicht im Sinne der Stadt, dass die Stadtoberen mit seelenlosen Promi-Sausen ihr eigenes Ego befriedigen.

Volker Steude, BÄH-Bürger
(ruhrblogxpublik)

Bildnachweis: Ein seelenloser Preis allein für den Schein (Foto: Lvova, Wikipedia)

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