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Protest zum Spatenstich des „Musikzentrums“

Posted on 01 Mai 2013 by Dr. Volker Steude

Sloane, Townsend, Schimmelpfennig und Freis hatten was zu feiern und haben das bei bestem Wetter auch ausgiebig getan. Mit 300 Spaten hat man schon jetzt den Spatenstich vollzogen, auch wenn noch gar nicht absehbar ist, ob und wann die Bagger überhaupt kommen für den Bau des neuen „Musikzentrums“.
plakat-antoniusstift

Noch sind nicht mal die Bauunternehmen beauftragt, die das Gebäude bauen sollen. Das „Musikzentrum“ selbst befindet sich im permanenten Schrumpfungsprozess um den Kostenrahmen einzuhalten. Absehbar wird dieser Prozess solange andauern bis nur noch der Konzertsaal mit Kirche und Minifunktionsraum überbleibt. Die Bezeichnung des Konzerthauses der BoSy als „Musikzentrum“ entlarvt schon der jetzige Entwurf als Etikettenschwindel.

Zum Spatenstich war der Bauplatz gut gefüllt. Sämtliche Honoratioren, alle Freunde der Symphoniker wurden aufgeboten. Trotzdem blieb ein Großteil des Platzes leer. Der Auftritt der BoSy fand unspektakulär in einem Bierzelt statt. Wirklich mitreißen konnten die BoSy das Publikum nicht. Die „Baustellen-Musik“ war etwas jämmerlich. Andauernd wurde die Bedeutung des Spatenstichs herauf beschworen. Nach dem Spatenstich gäbe es kein zurück. So ganz sicher scheint man sich da aber wohl noch nicht zu sein. Die Beherrschung der Kosten ist ein Problem, die gerichtliche Entscheidung über das Bürgerbegehren steht noch aus. Es könnte auch sein, dass der Spatenstich ins Leere ging.

Bei einem Projekt das großen Rückhalt in der Stadtbevölkerung hat, hätte man erwartet, dass sich Menschen auf dem ganzen Platz drängen und sogar die umlaufenden Straßen gesperrt werden müssen. Man stelle sich vor die Berliner oder Münchener Symphoniker würden in ihrer Stadt ein Open Air-Konzertgeben Die BoSy vermögen dagegen Massen in Bochum trotz tagelanger penetranter Werbung für den Spatenstich nicht zu begeistern.

Auch der Protest gegen das Projekt wurde beim Spatenstich deutlich sichtbar. Der AKU e.V., vertreten durch seinen Vorsitzenden, protestierten deutlich gegen die sinnlose Fällung der Platanen. Die Landtagsabgeordnete der Piraten, Simone Brand, versuchte der Oberbürgermeisterin angesichts des Millionengrabs „Musikzentrum“ ein Grabgesteck zu übergeben. Wurde aber von der Geschäftsführerin der Stiftung Bochumer Symphonie mit Gewalt gestoppt (Video). Dass die Initiatoren des Projektes „Musikzentrums“ Probleme mit den Instrumenten demokratischer Willensbildung haben, hatte sich ja bereits bei dem heftigen Widerstand gegen einen Bürgerentscheid zu dem Vorhaben gezeigt.

Die Bewohner des Antoniusstiftes übergaben eine Petition an die Oberbürgermeisterin, damit ihr Heim nicht zwangsgeräumt wird. Zu diesem Anlass ließen sie die Glocken läuten und mit Unterstützung der BÄH-Initiative (Bochum ändern mit Herz) am Marienstift ein 4x5m großes Plakat entrollten „Erst entwurzelt ihr die Platanen. Jetzt uns?“.

Bezeichnend, in den Artikeln zum Spatenstich der Bochumer Printmedien* findet sich dazu (bisher) kein Wort. Auch werden aus mehreren hundert Besuchern mal schnell 5.000. Man zählt wohl einfach kurzer Hand die Besucher des Bermudadreiecks bei der parallelen Aktion „Stühle raus“ mit.

Steven Sloanes Aussage: „Wenn Brot und Butter für den Bauch sind, ist Kunst und Kultur für unsere Seele.“ wird am Bauplatz des „Musikzentrums“ durch die Absurdität der realen Bochumer Verhältnisse konterkarierte, während die Bürger gegen die Schließungen von Schulen kämpfen, für den Erhalt sozialer Einrichtungen und die Bewohner des Antoniusstiftes um ihre Wohnung, lassen es sich die Stadtoberen bei musikalischer Hochkultur gut gehen. Während die Pleitestadt ihren Bürgern bei Brot und Butter heftige Einschnitte zumutet, lässt sich die Politik gerne für ihr außerordentliches Engagement bei Kunst und Kultur feiern. Die Prioritäten der Stadtpolitik wurden auf den Kopf gestellt. Das Geld was an anderer Stelle durch heftige Einschränkungen bei Brot und Butter eingespart wurde, wird für den schönen Schein von Hochkultur verjubelt.

Sloanes Sinnspruch, fehlt die Kausalität. Er sollte lauten: „Wenn Brot und Butter für den Bauch ausreichend vorhanden sind, dann bedarf es Kunst und Kultur für unsere Seele“.

Auch hat die Stadt nur bestimmte Kultur im Blick. Für die Hochkultur musste das Street-Art Projekt Urbanatix die Marienkirche räumen. Um alternative Proberäume hatte sich die Kulturverwaltung zuvor jedoch nicht gekümmert. Auch das Versprechen die Urbanatix jedenfalls bis März in neuen Räumen unterzubringen wurde nicht erfüllt. Vermeintliche „Subkultur“ hat in Bochum auch keine Lobby.

Aber zuallererst muss sich die Politik endlich für den Erhalt der bestehenden sozialen Einrichtungen einsetzen, die Schulen in einen erstklassigen Zustand versetzen und entsprechend ausstatten, dafür sorgen, dass ältere Mitbewohnern nicht gegen ihren Willen aus ihrem Heim transportiert werden, die Verschuldung der Stadt auf Kosten unserer Kinder und Enkel stoppen. Und wenn das gelungen ist, erst dann ist die Stadt in der Lage auch ein Konzerthaus für die BoSy bauen.

Solange ist es den BoSy zuzumuten auch ohne ein eigenes Konzerthaus für die Seele der Bochumer Bürger sorgen.

* WAZ vom 30.04.13 und RN vom 30.04.13

6 Comments For This Post

  1. Markus Says:

    Nach den letzten 2 Kommentaren der Popcorn Piraten ist es offensichtlich, dass sich die sog. Bäh-Bürger selbst diskreditieret haben und im Kern eigentlich nur aus 4(?)genannten Personen bestehen. Temporäre Anhänger wie Eltern diverser zur Schließung anstehender Grundschulen sind selbstverständlich, da sie zwischenzeitlich deren Sache unterstützten. Natürlich kommt ihnen ein Ausrutscher in der Contenance einer Frau Freis sehr entgegen; diesen als Akt der brachialen Gewalt zu bezeichnen ist jedoch stark überzogen. Sie wirken wie ein trotziger Haufen von Jungs, die nicht einsehen möchten, dass sie verloren haben und nicht mehr im Geringsten ernstgenommen werden.

  2. admin Says:

    Es kommt leider immer wieder vor, dass jemand ohne irgendeinen Durchblick zu haben, sich Meinungen über andere erlaubt, die er gar nicht kennt. Die Grabgesteckübergabe war eine Aktion der Piratenpartei, an der die BÄH-Initiative nicht beteiligt war. Jemand aus der Piratenpartei (niemand von uns) hat wegen des „Übergriffs“ Anzeige erstattet. Die BÄH-Bürger-Initiative hat etwa 20 unterschiedlich Aktive, von denen aktuell 5 Piraten sind.

  3. Markus Says:

    Fest steht, dass sich die Piraten-Partei, zu deren Mitgliedern auch einige Initiatoren der der sog. Bäh-Bürger zählen, von diesen deutlich distanziert und sogar in Misskredit gebracht fühlt. Das zeugt nicht gerade von der Seriösität der Bäh-Bürger. Durch immer weitere Aktionen, denen es an Sachlichkeit mangelt (Porno-PussyRiot-Doubles; asozial u. peinlich!!!, dümmste Verhohnepipelung von Preisverleihungen ohne jeden Sinn), macht sich diese Initiative nur weiter lächerlich und wird trotz evtl. ganz annehmbarer Gesinnung nicht mehr als ein paar Schlagzeilen erreichen, ausser Hohn und Spott.

  4. admin Says:

    Umgekehrt wird ein Schuh draus, vier Piraten haben sich vom KV-Bochum distanziert, da dieser die innerparteiliche Meinungsäußerung grundgerechtswidrig einschränkt (http://www.lokalkompass.de/bochum/politik/zensur-und-beleidigungen-im-namen-der-piraten-bochum-distanzierung-d285809.html).

    Ein weitere Kritikpunkt der bei der BÄH-Initiative tätigen Piraten ist, dass der KV-Bochum es seit Gründung nicht geschafft hat irgendwelche nennenswerten Positionen oder Aktionen zu kommunalpolitischen Themen zu entwickeln. Der KV beschäftigt sich mit sich selbst und steht für nichts. Politik ist für die Bürger da, die PP in Bochum macht bisher aber leider nur Politik 0.0.

    Auf dieser Seite finden Sie massenhaft Artikel von BÄH-Bürgern zu verschiedensten Bochumer Themen. Wenn Ihnen einzelne Themen und Aktionen nicht passen, ist das ihr gutes Recht. Indem sie wohl bewusst die vielen Beiträge nicht differenziert beurteilen, um ihre Pauschalverurteilung rechtfertigen zu können, diskreditieren sie sich selbst. Wenn es Ihnen wirklich um Sachlichkeit ginge, würden Sie sich zu bestimmten Beiträgen in der Sache konkret äußern, damit eine konstruktive Diskussion angeregt wird.

    Wie engagieren Sie sich konkret für welche kommunalpolitischen Themen? Wo setzen Sie sich für die Bürger und die Kommune ein? Machen Sie nicht? Auch nur Politik 0.0? Von solcher destruktiven Politik distanzieren sich die BÄH-Bürger. Wenn Sie sich konkret engagieren statt nur zu reden, dann viel Erfolg.

  5. Markus Says:

    Die Auslegung dieser Dinge liegt offensichtlich im Auge des jeweiligen Betrachters. Engagement für/gegen stadtpolitische Themen in allen Ehren; nicht jede Akion ist sinnvoll, nur aufgrund der Tatsache, dass man nicht stillgehalten, bzw. geschwiegen hat. Wie schon erwähnt halte nicht nur ich, sondern offenkundig viele andere Bürger Bochums, Ihre Vorgehensweise für zum größten Teil unüberlegt, unsachlich und nicht weit genug überdacht. Ansonsten hätten Sie weit mehr Zulauf. Sie sind mit Dingen wie o.g. schlciht und ergreifend übers Ziel hinausgeschossen. Aktionen, für man Sie sich im Nachhinein schämen, sie verbuddeln oder totschweigen müssen, möchte niemand haben. BTW: warum treten Sie eigentlich nicht aus der Piraten-Partei aus und gründen eine neue, viel bessere? Mitstreiter haben Sie doch nach eigenen Angaben zumindest in Bochum genug?!

  6. admin Says:

    Diejenigen, deren Politik wir kritisieren, werden uns kritisieren. Die, die dieselben Kritikpunkte haben wie wir, stehen auf unserer Seite. Die einzigen, die zwar sagen, dass sie anders Politik machen wollen, nicht aber sagen wie, ist der KV-Bochum der Piraten. Da hat man (bisher) gar keine nennenswerten politischen Positionen in der Kommunalpolitik. Allerdings ist man sich einig, dass man das, was wir machen unreflektiert schon deshalb grundsätzlich ablehnt, weil man die Piraten ablehnt, die bei uns aktiv sind.

    Die Bürger machen gerne bei unseren Aktionen mit, genauso wie diverse Bürgerinitiativen. Wir haben Kontakte in fast alle Parteien und werden bei unseren Aktionen von den verschiedensten Bürgern unterstützt. Fast 15.000 Bürger haben bei unserem Bürgerbegehren unterschrieben. Bei den Bürgern ist die BÄH-Initiative durchaus gut gelitten wie man bei öffentlichen Auftritten beobachten kann.

    Ein immer wieder auftretender Vorbehalt ist allerdings immer wieder, dass nachgefragt wird: „Das ist aber keine Aktion der Piraten, oder?“ Nachdem die Piraten sich aus dem Bürgerbegehren zurück gezogen haben, was sie selbst vorher groß angekündigt haben, ist ihr Ruf bei den Bürgern in Bochum schlecht.

    Warum engagieren Sie sich nicht einfach bei der PP für Positionen und Inhalte in der Kommunalpolitik anstatt sich damit zu beschäftigen, warum wir hier was machen und warum einige von uns auch bei den Piraten sind?

    Eine Partei sollte sich für die Bürger engagieren. In der PP beschäftigt man sich lieber mit sich selbst. Auch beschäftigt man sich nicht mit den Argumenten, sondern fokussiert sein Tun auf die Personen, die diese äußern.

    Das ist Politik 0.0. Ergebnislos und destruktiv. Daran scheitert die Piratenidee gerade.

    PS: Es gab nur eine von vielen Aktionen, die wir so nicht wieder machen würden und für deren Wirkung wir uns entschuldigt haben. Mit dieser Aktion haben wir aber niemandem geschadet, sondern allenfalls unserem eigenen Ruf. Zu diesem Fehler können wir stehen.

    Alle anderen Aktionen sind weder unüberlegt, unsachlich und auch nicht schlecht überdacht. Wir liegen von der Art und Weise der Aktionen gesehen da mindestens auf einer Linie mit der PP wie die Übergabe eines Grabgesteckes für das Millionengrab „Musikzentrums“ beim Spatenstich durch die Landtagsabgeordnete der PP, Simone Brand zeigt.

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