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Alarm am Büromarkt – Bochumer Wirtschaftsförderung hilflos

Posted on 22 Juni 2013 by Dr. Volker Steude

Das Exzenterhaus ist nur auf den obersten 4 Etage vermietet, weitere 11 Etagen warten auf Mieter*. Das Jahrhunderthaus am Eingang zum Westpark ist nur zu einem Bruchteil vermietet. Das Krupp-Hochhaus sucht schon seit Jahren Mieter. Am Biomedizinpark hat sich bis heute kein einziges Biomedizinunternehmen angesiedelt, weite Flächen stehen bereits seit Jahren leer. Für die Investitionsfläche seven-stones an der Universitätsstraße findet sich ebenfalls kein Investor. Größte Investitionsruinie ist die Stadtbadgalerie. Der Name ist ein Witz, Stadtbad und Galerie sind längst tot, die Büroflächen sind von Leerstand geprägt. Hier soll jetzt die RUB einziehen.

krupp hochhausGleichwohl sind weitere Projekte geplant, am Bahnhof soll ein Stadttower entstehen, entlang der Alleestraße und der Gahlenschen Straße sollen am Rand des Westparks im großen Stil Bürogebäude hochgezogen werden und auch am City-Tor-Süd und auf den Flächen von Telekom und heutiger Justiz sollen Dienstleistung angesiedelt werden. Es fragt sich, für wen?

Gleichzeitig macht der Büromarktbericht der Stadt für Bochum noch ein weiteres Problem aus: „Insbesondere für ältere Immobilien mit hohen Nebenkosten lassen sich oftmals nur schwierig Nachmieter finden.“

Entsprechend wurde z.B. an der Brückstraße ein Bürogebäude nach jahrelangem Leerstand aufwendig und erfolgreich zu einer Seniorenresidenz umgebaut.

Die Nachfrage nach Büro- und Gewerbeflächen scheint in Bochum nicht wirklich groß zu sein. Der Büromarkbericht der Stadt umschreibt die Lage beschönigend mit „stabile Nachfrage“. Vergleicht man die Büroflächenumsätze der Ruhrgebietsstädte, Bochum, Essen und Dortmund, so fällt Bochum gegenüber den beiden anderen Städten deutlich ab. Pro 1.000 Einwohner wurden in Bochum im Jahr 2012 125 qm Bürofläche umgesetzt, in Essen waren es 154 qm, in Dortmund sogar 187 qm (Büromarktbericht Ruhrgebiet). Gleichzeitig war der Leerstand in allen drei Städten annährend gleich (5,1 – 6,3%).

Auffällig ist, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Büroflächenumsatzes in Bochum von öffentlichen Organisationen und nicht von privaten Unternehmen nachgefragt wird. Die von öffentlichen Unternehmungen dominierten Bereiche Bildung und Forschung bzw. Gesundheit steuern 14% bzw. 11% zum Flächenumsatz bei. Der in der Politik hoch gelobte angebliche Innovationsmotor Kreativwirtschaft hingegen findet im städtischen Bericht mangels Relevanz keine Erwähnung.

Zum Motor auf dem Büroflächenmarkt entwickeln sich die Hochschulen. Die RUB zieht in die Innenstadt. Der doppelte Abiturjahrgang zwingt zur Anmietung externer Flächen außerhalb des Uni-Campus. Auch in der Stadtbadgalerie will die Uni jetzt wohl Flächen anmieten. Ebenso wurde angeregt Fakultäten der RUB am City-Tor-Süd anzusiedeln. Auf dem Gesundheitscampus entsteht gleich eine neue Hochschule. Gerade fertig gestellt wurde die neue Fakultät für Sportwissenschaften.

Was bleibt jedoch übrig, wenn man die Aktivitäten der Hochschulen außer Betracht lässt? Dann wird es relativ trostlos. Das Technologiequartier an RUB und Hochschule entwickelt sich langsam aber stetig. Auch hier profitiert die Stadt von der Dynamik der Hochschulen. Wenn auch Jahre zu spät hat die Stadt das Potential der Nähe zu den Hochschulen dann doch noch entdeckt.

Dies gelingt der Wirtschaftsförderung allerdings nicht immer, wie der Biomedizinpark zeigt. Biomedizinunternehmen siedeln sich trotz benachbartem Gesundheitscampus immer noch nicht an. Was nicht weiter verwundert, denn genau diese Entwicklung hatte ein Gutachten ja vor Errichtung des Parks vorher gesagt. Politik und Verwaltung wollten das Prestigeprojekt dennoch und wurden nunmehr eines besseren belehrt. Jetzt hat man beschlossen den Namen Biomedizinpark nicht mehr zu verwenden, stattdessen zählt man die Flächen neuerdings zum Gesundheitscampus unter gleicher Bezeichnung hinzu.

Auch der Gewerbepark Lothringen ist ein Negativbeispiel Bochumer Wirtschaftsförderung und in letzter Konsequenz ein städtebaulicher Fehlschlag. Die städtische Einordnung des Gewerbeparks als Standort für Dienstleister sowie kleine und mittlere Unternehmen aus Handwerk und Produktion hat mit der Realität wenig zu tun. Zwar sind die Gebäude mittlerweile ganz gut vermietet, auf dem Gewerbepark selbst wurden jedoch mangels Alternativen im Wesentlichen nicht integrierte Textil- und Lebensmitteldiscountern angesiedelt statt Unternehmen aus Handwerk, Produktion und Dienstleistung. Fataler Weise ist diese Entwicklung eine der Hauptursachen für den Niedergang des Einzelhandels im Stadtteilzentrum Gerthe. Bedenklich, Billigdiscounter KiK hat zuletzt sogar den Eingang zum Gerther Marktplatz mangels Kundenzulauf von dort geschlossen.

Neuausrichtung der Bochumer Wirtschaftsförderung

Die eigentlich geringe Nachfrage auf dem Bochumer Büromarkt sollte Politik und Verwaltung alarmieren. Eine Wirtschaftsförderung, die sich darauf beschränkt Flächen und Gebäude anzubieten, reicht offensichtlich nicht aus. Dafür ist der Standort Bochum zu unattraktiv. Die Bemühungen, die die Wirtschaftförderungen einschließlich städtischer Entwicklungsgesellschaft (EGR) unternimmt, sind offensichtlich unzureichend.

Der öffentliche Auftritt beider Institutionen (Amt für Wirtschaftsförderung, EGR) ist altbacken und uninspiriert. Die Tätigkeiten erscheinen wenig zielgerichtet und unkoordiniert. Dass eine Hauptaufgabe beider Unternehmungen ist, städtische Flächen und Gebäude auch professionell zu vermarkten kann man den Außendarstellungen der Institutionen nicht entnehmen. An internationale
Investoren richtet man sich offensichtlich so gut wie gar nicht. Eine englische Präsentationsseite sucht man bei der EGR vergeblich. Fremdsprachige Seiten sind beim Amt für Wirtschaftsförderung kaum zu finden und veraltet. Wie Wirtschaftsförderung professionell präsentiert wird, zeigt die Wirtschaftsförderung Frankfurt.

Wieso eine städtische Entwicklungsgesellschaft die Parkhäuser der Stadt verwaltet und Schulen baut, bleibt offen. Die eigentliche Aufgabenstellung ist unklar.

Es bedarf einer ungeschönten Marktanalyse. Was lässt sich erfolgreich anbieten? Dazu eine ehrliche Analyse der Potentiale von Bochum selbst. Was bietet die Stadt, was fehlt ihr? Darauf aufbauend müssen einheitliche Konzepte und Strategien entwickelt werden, die zielgerichtet bestimmte Flächen und Gebäude bestimmten Unternehmen und Branchen offensiv anbieten. Auf einer Messe einen Stand aufbauen reicht nicht. Die Wirtschaftsförderung muss in die Unternehmen und ihnen einen umfassenden Service anbieten.

Die Wirtschaftsförderung darf sich nicht verzetteln. Klar erkennbare Strategien müssen das Handeln bestimmen. Der Auftritt der Wirtschaftsförderung muss erkennen lassen, welche Ziele die Stadt verfolgt, wie sich entwickeln will und dass sie diese Entwicklungsvorgaben konsequent und zielgerichtet umsetzt.

PS: Eine attraktive Stadt erkennt man einer attraktiven und innovativen Außendarstellung, das gilt nicht nur für die Wirtschaftsförderung. Dazu gehört auch der Web-Auftritt der Stadt selbst. Beurteilt man die Innovationskraft Bochums nach ihrem Internetauftritt, so muss man davon ausgehen, dass in unserer Stadt irgendwann zum Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts die Zeit stehen geblieben sein muss… .

* davon nutzt der Vermieter eine Etage aktuell selbst

Bildnachweis: Wikipedia, Cschirp

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