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Schultoiletten in Bochum stinken zum Himmel

Posted on 23 August 2013 by Dr. Volker Steude

Zum Himmel stinkende, eklige und herunter gekommene Toilettenanlagen, die seit Jahrzehnten nicht saniert oder modernisiert wurden, dass ist an vielen Schulen in Bochum leider Standard. Dieser Zustand bringt viele Eltern und Schüler zu recht auf die Palme.

urinalAuf massiven Druck von Eltern und Schulen bequemt sich die Verwaltung dann teilweise einzelne Toilettenanlagen zu sanieren. So auch bei der Maria Sibylla Merian-Gesamtschule in Wattenscheid. Mit 120.000 Euro schlug die Sanierung zu Buche. Diese gewaltige Summe zeigt, in welch unterirdischem Zustand die Toilettenanlage gewesen sein müssen, ehe die Schulverwaltung zum Handeln bewegt werden konnte.

Da Eltern und Schüler wissen, dass mit einer erneuten Sanierung in absehbarer Zeit nicht zu rechnen ist, haben sie ein besonderes Interesse daran, dass der gute Zustand der Toilettenanlage möglichst lange erhalten bleiben soll. Also stellte der Förderverein der Schule auf seine Kosten eine Servicekraft ein, die die Toilette betreut und säubert. Jetzt müssen Schüler, die die neue sanierte Toilette benutzen wollen, pro Toilettengang 10 Cent zahlen, ansonsten müssen sie auf die städtisch gepflegte Schultoilette ausweichen. Was aufgrund des üblichen üblen Zustandes der Standardschultoiletten in Bochum keine wirkliche Alternative ist.

Mit dem Toilettenbeitrag soll den Schülern auch bewusst gemacht werden, dass eine saubere und gepflegte Toilette einen Wert hat. So sollen die Schüler angehalten werden, die Toiletten nicht unnötig zu verdrecken oder zu ramponieren.

Was vielleicht noch auf den ersten Blick als durchaus sinnvolle Maßnahme erscheint, stößt bei näherem Hinsehen doch auf erhebliche Bedenken. Eigentlich sollte ein kostenloser Toilettenbesuch in der Schule eine Selbstverständlichkeit sein, besonders in einem Land indem die Schulbildung kostenfrei sein soll. Auch führt die Toilettengebühr zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Schüler, die z.B. kein Geld für die Toilettenbenutzung von zu Hause bekommen, können die neuen Toiletten jetzt nicht mehr benutzen und werden zur Benutzung der Zweite-Klasse-WCs gezwungen. Überdies sollte ein Förderverein doch besser sein Geld in die Bildung der Schüler investieren, als in die Reinigung der Schule.

Entsprechend hat die Bezirksregierung den Schulverwaltungen bereits deutlich gemacht, dass die Erhebung eines Pauschalentgeltes für Schultoiletten unzulässig ist (WAZ vom 29.03.2012). Zulässig seien nur Bezahlmodelle, bei denen die Finanzierung der Servicekraft ausschließlich durch Dritte (etwa den Förderverein oder Sponsoren), aber nicht durch Pflichtabgaben der Schüler erfolgt. Warum sich die Schulverwaltung und Schulen in Bochum über diese Anweisung der Bezirksregierung hinweg setzen, ist nicht nachvollziehbar.

Denn auch das Schulministerium in Düsseldorf hat zu dem Toiletten-Obolus bereits 2009 seine eindeutige Haltung erklärt: “Eine Toilettengebühr widerspricht den Grundsätzen der Menschenwürde und der Gleichbehandlung. … Sind die Klos nicht sauber genug, kommt die Kommune ihren Aufgaben nicht nach.” (Süddeutsche vom 24.09.09)

Zudem stellt sich die grundsätzliche Frage, ob die Einführung einer Klo-Maut überhaupt erforderlich ist. Denn eine Servicekraft, die die Schultoiletten betreut und reinigt, rechnet sich für die Stadt auch ohne Einnahmen durch eine Toilettengebühr. Nimmt man an, dass durch eine Toilettenaufsicht der Sanierungszyklus für eine Toilettenanlage von 10 auf 20 Jahre verlängert werden kann, so sinkt der Instandhaltungsaufwand für die Schule z.B. bei der Toilettenanlage der Maria Sibylla Merian-Gesamtschule um 120.000 Euro. Mit diesem gesparten Geld kann eine Service- und Aufsichtskraft über 20 Jahre mit 500 Euro pro Monat finanziert werden. Überdies spart man die Reinigungskosten für die Toilettenanlage ein, die ebenfalls von der Servicekraft übernommen werden kann. Eine solche Wirtschaftlichkeitsberechnung wurde von der Schulverwaltung in unserer Stadt jedoch bisher leider wohl noch nicht angestellt.

Auch einem weiteren Zusammenhang trägt die Schulverwaltung keine Rechnung: Kaputtes wird bald noch kaputter sein und umgehende Reparaturen sparen Folgekosten. Um kurzfristig Geld zu sparen, schiebt man in Bochum dagegen die Sanierung regelmäßig bis zu dem Zeitpunkt auf, bis die Toilettenanlagen völlig aufgebraucht und verwahrlost sind. Dann aber kostet die Sanierung einer Toilettenanlage wie bei der Maria Sibylla Merian-Gesamtschule auf einmal 120.000 Euro und ist damit nicht selten mindestens so teuer wie die Errichtung einer neuen WC-Anlage.

Eine weitere Problematik, die aus der fehlenden bzw. äußerst schleppender Instandhaltung resultiert: Eine halb zerbrochene Klobrille wird bald ganz zerbrochen sein. Ganz einfach, weil sie ärgerlich und hässlich ist. Diese Zerstörungen sind oft Hilfeschreie, nach dem Motto: „Wenn dies der Gesellschaft gleichgültig ist, dann wollen wir doch mal sehen, was noch alles passieren muss, damit sich endlich jemand kümmert“ (schulklo.de).

In Hamburg und Köln konnten Zerstörungen durch tagesaktuelle Reparaturmaßnahmen auf NULL reduziert werden (schulklo.de).

Defekte Toilettenanlagen müssen also möglichst schnell wieder Instand gesetzt werden. Nur so können Folgezerstörungen vermieden werden. Der Vandale hat dann zudem keine Möglichkeit mehr, mit der Tat gegenüber Mitschülern zu prahlen. Mangels angemessener Finanzausstattung des Schuletats, fehlt der Schulverwaltung jedoch das erforderliche Geld, in der beschriebenen Weise Kosten sparend zu handeln.

Das systematische Unterlassen zeitgerechter Instandhaltung kostet Stadt und Bürger letztlich Millionen und ist eine wesentliche Ursache den finanziellen Ruin der Stadt.

Auch ist es nicht Aufgabe von Eltern und Fördervereinen in den Schulen für saubere Toiletten zu sorgen. Auch kann von ihnen oder den Schülern nicht verlangt werden, dass sie die Reinigungskräfte für die Schultoiletten finanzieren, weil die Stadtoberen nicht bereit sind, das erforderliche Geld dafür aus dem Stadthaushalt bereit zu stellen.

Jede herunter gekommene Schultoilette, ist eine Peinlichkeit für unsere Stadt und die Politik. Der bedauernswerte Zustand vieler Schultoiletten zeigt letztlich leider nur allzu deutlich wie viel die Bochumer Schüler den Mehrheitsfraktionen im Rat wert sind, nämlich offensichtlich fast nichts.

Statt die Schüler für saubere Toiletten zur Kasse zu bitten, sollten Schulen, Lehrer und Eltern, die Politik in Pflicht nehmen, und sie unmissverständlich und lautstark auffordern, ihren kommunalen Verpflichtungen gegenüber den Schülern endlich nach zu kommen.

Bildnachweis: Ichthyosis, Wikipedia

2 Comments For This Post

  1. H-P Obermüller Says:

    “ Diese Zerstörungen sind oft Hilfeschreie“. Ich lach mich kaputt. Die Schulen sind voll von Kindern, die nicht gemeinschaftsfähig sind. Die meisten Eltern von ihnen waren es auch schon nicht. Überforderte Lehrer, die die Erziehung übernehmen sollen, da die Eltern das Wort „Erziehung“ auch nur vom Hörensagen kennen. Und dann wird um Hilfe geschrien, die Kloschüssel zerdeppert und das Schulgelände vermüllt.
    Ich glaube, Ihre Interpretation ist genau so platt wie meine!
    Mit freundlichen Grüßen

  2. admin Says:

    Wie erklären Sie sich dann, dass es das Problem in Bayern so nicht gibt und an bestimmten Schulen hier auch nicht:

    Hauptschule in einem Brennpunkt von Lünen: http://www.miteinandern.de/272.html
    Berufliches Schulzentrum Dieburg: http://www.lehrerfreund.de/schule/1s/edle-schultoilette/4337

    Wenn Politiker 40 Jahre lang die Toiletten an Schulen nicht sanieren, sondern verkommen lassen, dann, da gebe ich Ihnen recht, gibt es ein Problem mit der Erziehung. Gemeinschaftseigentum derart verkommen zu lassen, ist eine Frechheit und zeugt von schlechter Erziehung der Verantwortlichen.

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