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Das 2,5 Mio. Spendenloch beim Musikzentrum und der Versuch dieses zu schließen

Posted on 06 Dezember 2013 by Dr. Volker Steude

Weiterhin fehlen mindestens 2,5 Mio private Spendengelder für das Konzerthaus der BoSy. Aber diese Lücke soll jetzt auf einen Schlag geschlossen werden. Die Brost-Stiftung will mit großzügigen 3 Mio. Euro aushelfen. Bedingung der Stiftung, das Konzerthaus soll dann den Namen Brost tragen.

musikzentrum-neuEin irritierendes Unterfangen, Staat, EU und Stadt geben für das Konzerthaus mit Musikschulalibi großzügige 20 Mio. Private Spender rund 9 Mio, davon 5 Mio. Normen Faber. Das Haus soll jetzt aber nach einer Stifterin benannt werden, deren Stiftung die fehlenden 3 Mio. dazu gibt. Nachvollziehbar ist das nicht.

Auch ob die Stifterin Anneliese Brost, Mitbegründerin der WAZ-Gruppe und auch zu Lebzeiten bereits eifrige Stifterin das so gewollt hat, darf zumindest bezweifelt werden. Laut Stiftungssatzung stand bei der Gründung der Brost-Stiftung von Anneliese Brost die Motivation anderen zu „Helfen“ im Mittelpunkt. Und zwar denjenigen, die dieser Hilfe am dringendsten bedürfen. Und das sind vor allem alte und junge Menschen, die nicht ausreichend für sich selbst sorgen können (http://www.broststiftung.org/stiftung/ziele/).

Die Stiftung fördert laut Satzung insbesondere Projekte, „die die schwierigen gesellschaftlichen Lebensverhältnisse von vielen Kindern und Jugendlichen zu kompensieren versuchen, indem die Stiftung dazu beiträgt, die Ursachen zu erkennen und zu beseitigen. Wichtig dabei ist auch die personelle wie sachliche Ausstattung der Erziehungs-, Lern- und Ausbildungsstätten.“

Wie kommt die Stiftung also darauf, den Bau eines Konzerthauses zu fördern? Sicher ist auch die Sicherstellung der kulturellen und künstlerischen Bildung in Essen und im Ruhrgebiet Stiftungsziel, aber doch wohl nur im Zusammenhang mit der Grundmotivation der Stiftung und der Stifterin damit benachteiligten Menschen zu helfen.

Aus der Tatsache, dass Anneliese Brost und ihr Mann zu Lebzeiten u.a. auch das Folkwang Museum, die Essener Philharmonie und die Zeche Zollverein gefördert haben, leitet die Stiftung nun wohl ab, die Förderung von Hochkultur sei das wesentliche Stiftungsziel. In diesem Sinne gibt die Internet-Seite der Stiftung als bisher einzige Förderprojekt das „Public Art Ruhr“ Buch an, dass der öffentlichen Kunstlandschaft der Metropole Ruhr gewidmet ist. Es beschreibt mit 100 Abbildungen und 100 Texte 100 Kunstwerke des Ruhrgebietes. Auch hat die Stiftung angekündigt das Terminal vor dem Bochumer Hauptbahnhof für 40.000 Euro zu sanieren. Daneben wurde als einziges soziales Projekt angekündigt gemeinsam mit der Peter-Maffay-Stiftung sich bei der besseren Integration der Roma-Volksgruppe zu engagieren (WAZ vom 10.10.13).

Von Projekten für sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und alte Menschen ist dagegen sonst nichts zu lesen. Aus dem was man hört und liest gewinnt man den Eindruck, die Stiftung soll eingesetzt werden, um einige Prestigeobjekte der Stadtoberen mit den nötigen Finanzmittel zu versorgen. Das zeigt ein Grundproblem unserer Gesellschaft, auf das die ARD-Dokumentation „Die Macht der Millionäre“ (Mediathek) recht gut aufmerksam macht: „Immer häufiger übernehmen wohlhabende Bürger und Stiftungen kommunale Aufgaben. Denn vielerorts sind die Kassen der Gemeinden leer. Während sich also die klammen Kommunen den Erhalt von Schulen, Straßen oder Sozialwohnungen nicht mehr leisten können, zeigen sich die von der Steuerpolitik begünstigten Wohlhabenden gern großzügig. Wie mächtig sind die Millionäre? Haben die Volksvertreter in den Rathäusern überhaupt noch etwas zu sagen? Wer bestimmt die Spielregeln in den Städten?“

Sichtbar wird solche Macht, wenn das Angebot einer Spende von 3 Millionen, zu der Forderung führt, dass ein Konzerthaus für 32 Mio. nach der Stifterin benannt werden soll. Dieses Verlangen zeigt auch klar, worum es bei der Spende im Besonderen geht.

Auch interessant, wer über das Vermögen der Stiftung bestimmt. Bodo Hombach (SPD), ehemaliger Minister im Kabinett Schröder und bis 2012 Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe ist einer der 3 Vorstände der Brost-Stiftung. Dies ist in soweit nicht verwunderlich als auch der Ehemann der Stifterin, Erich Brost, ein langjähriges und verdientes Mitglied der SPD war. Die Kontakte in der Stiftung in die insbesondere SPD-geführten Rathäuser des Ruhrgebietes werden also sehr gut sein.

Aber zurück dazu, was mit den 3 Mio. gefördert wird. Ein Konzerthaus, mit einem Konzertsaal mit 1.000 Sitzplätzen, den die BoSy nutzen werden und einem ca. 230qm großen Anbauraum, der insbesondere die von der Musikschule und den städtischen Chören für Aufführungen bisher benutzten Schulaulen ersetzen soll. Dieser Raum soll sich durch eine mobile Wand in zwei bis drei Räume aufteilen lassen, die dann auch für Seminare und Workshops nutzbar sein sollen.

Durch den Bau des Konzerthauses wird sich das musikalische Kulturangebot der Stadt trotz einer Investition von 32 Millionen jedoch um keinen Deut vermehren, denn investiert wird das Geld in Steine, nicht in Menschen oder zusätzliche musikalische Angebote.

Sinnvoll wäre es, wenn die Brost-Stiftung für die 3 Millionen ein Musikförderprogramm auflegen würde, das benachteiligten Kindern, Jugendlichen und alten Menschen einen einfachen Zugang zur Musik ermöglicht, allerdings nicht nur zu klassischer akustischer, sondern auch zu populärer, elektronisch verstärkter Musik. Ein solches Programm könnte dann natürlich auch im „Musikzentrum“ durchgeführt werden. Jedoch fehlt es dort entsprechend der bisherigen Planungen an den erforderlichen Räumlichkeiten. Auch sind technische Anlagen um populäre, elektronisch verstärkte Musik aufzuführen bisher nicht vorgesehen.

Für ein solches Programm reicht jedoch nicht eine einmalige Förderung von 3 Millionen. Es setzt eine sichere kontinuierliche Förderung über Jahre hinaus voraus. Wenn die Stiftung die Motivation der Stifterin ernst nimmt, dann kann die Stiftung der Stadt eigentlich nur das vorschlagen.

Auch mag es vertretbar sein, einen Teil des Geldes der Stiftung in das „Musikzentrum“ zu investieren, dann aber nur zu dem Zweck, aus dem jetzigen Konzerthaus mit Musikschulalibi ein wirkliches „Musikzentrum“ zu machen, das diesen Namen auch verdient. Von dem Stiftungsgeld müssten also zusätzliche Räumlichkeiten finanziert werden und insbesondere eine elektronische Verstärkeranlage. Gleichwohl muss sichergestellt sein, dass die Stiftung über Jahre das dargestellte Programm finanziert, damit eine sinnvolle Nutzung und Unterhaltung der Räumlichkeiten des „Musikzentrums“ auch sicher gestellt ist.

Das aus der Stiftung dann entstehende Musikzentrum muss gleichwohl nicht den Namen von Anneliese Brost tragen, das hatte diese zu Lebzeiten überaus engagierte und umtriebige Dame nie nötig. Das Förderprogramm der Stiftung aber sollte ihren Namen tragen. Wenn das Programm erfolgreich ist, dann steht der Name Brost auch zukünftig für außergewöhnliche Leistungen von Menschen und nicht für Investitionen in Steine, genau so, wie es auch zu Lebzeiten von Anneliese Brost immer der Fall war.

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