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Bochum abgeschlagen – Städteränking zeigt Defizite auf

Posted on 14 Dezember 2013 by Dr. Volker Steude

Auch das neuste Städteranking zeigt erneut, die Stadt Bochum fällt weiter zurück. Der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung Heinz-Martin Dirks (SPD) bleibt gelassen, der Abwärtstrend ist offenbar längst zur Gewohnheit geworden (RN vom 13.12.13), auch dass die Maßnahmen der Wirtschaftsförderung daran nichts ändern und im Wesentlichen wirkungslos verpuffen.

rankingKonsequenz aus der Entwicklung? Dieselben Leute machen im gleichen Trott so weiter wie bisher. Einzig die Rechtsform der Wirtschaftsförderung ändert sich. Aus einem Amt werden noch mehr städtische GmbHs und der hohlen Phrasen werden ein paar mehr gedroschen und es werden angeblich neue Ziele definiert:

Die Wirtschaftsförderung Bochum muss als einheitlich wahrgenommene Aufgabe erkennbar sein. Sie muss eine Gesamtstrategie gestalten. Die Aufgaben der Wirtschaftsförderung müssen klar organisiert, Schnittstellen abgebaut und Synergien sichergestellt werden. Die Binnenstruktur der Programmatik muss der sinnlogischen Aufgabenteilung folgen. Der Wirtschaftsstandort Bochum und seine Einrichtungen müssen zielgerichtet und abgestimmt vermarktet werden (zusammengefasst aus (zusammengefasst aus Vorlage 20132709).

Angesichts dessen, dass man Selbstverständlichkeiten jetzt zu neuen Zielen einer Weiterentwicklung der Wirtschaftsförderung erhebt, fragt man sich, welche Ziele hat die Wirtschaftsförderung bisher eigentlich verfolgt? Dass derjenige, der das Amt für Wirtschaftsförderung bisher erfolglos geleitet hat, jetzt Leiter der neuen GmbHs wird, kann wohl nur dahingehend gedeutet werden, dass eine ernsthafte Neuaufstellung der Wirtschaftsförderung nicht das Ziel ist, sondern lediglich kosmetische Korrekturen erfolgen. Entsprechend sind konkrete richtungsweisende Maßnahmen und Konzepte bisher nicht zu erkennen.

Um der Abwärtsentwicklung der Stadt wirksam entgegen zu treten, ist zunächst eine schonungslose Analyse des Ist-Zustandes erforderlich. Das Schönreden der Situation bringt indes nichts (RN vom 13.12.13).

In der Studie der IW-Consult, die dem Städteränking zugrunde liegt, wurden 89 Indikatoren untersucht. An diesen kann man erkennen, wo in Bochum der Schuh besonders drückt.

Es beginnt mit der Geburt, bei der Geburtenrate liegt Bochum auf Platz 67 von 71. Nur 20,8% der unter 3-jährigen konnten in Bochum 2012 in öffentlich geförderten KiTas untergebracht werden (Platz 50), um Vergleich, in den besten 6 Städten sind es über 50% der Kinder. Dagegen sieht es bei der Besorgung mit öffentlich geförderten Plätzen für Vorschulkinder (3-6 Jahre) in Bochum mit 95% besser aus (Platz 21). Allerdings liegen hier alle Städte in einem Bereich von (83,3-102,6%) eng beieinander.

Bei der Bevölkerungsentwicklung steht Bochum am Ende der Liste (Platz 64), 2% weniger Einwohner von 2007 bis 2011, ein weiterer Bevölkerungsschwund von 8,5% wird bis 2022 vorhergesagt.

Immerhin der Binnenwanderungssaldo (Differenz aus Zu- und Wegzügen) der Einwohner von 18 bis unter 25 Jahre ist mit 67 pro 1.000 Einwohner positiv (Platz 36). Problem, Studenten ziehen in die Stadt, verlassen diese aber nach dem Studium wieder, nur relativ wenige bleiben auf Dauer hier. Entsprechend ist der Binnenwanderungssaldo bei den 25 bis unter 30 jährigen mit -1 leicht negativ (Platz 53). Bochum kann kaum mit modernem Wohnraum aufwarten und ist auch von daher z.B. für Familien mit Kindern unattraktiv. Gerade mal 1,4 fertiggestellte Wohnungen je 1.000 Wohnungen des Bestandes (Tendenz abnehmend), kann Bochum vorweisen (Platz 65).

Von 50.000 Studierenden in Bochum lebt der größte Teil nicht in Bochum. Entsprechend kommen fast 33.000 Menschen zum Studium und zur Ausbildung mehr nach Bochum als von Bochum aus diesem Grund in andere Städte pendeln. Als Ausbildungs- und Studienort ist Bochum also hochattraktiv, jedoch nicht um hier zu wohnen. Immerhin hat die Zahl der Zuzüge von Studenten je 1.000 Einwohner mit +4,5, wenn auch knapp unter dem Mittel (+4,8), leicht zugenommen (Platz 33).

Bei der arbeitenden Bevölkerung steht Bochum beim Pendlersaldo schlecht da (Platz 60). 2,2 von 100 Einwohnern pendeln mehr in als aus der Stadt. Bei den, hinsichtlich Arbeitsplätzen attraktivsten 17 Städten liegt dieser Saldo bei über 20 bis über 50 Menschen pro 100 Einwohner. Gleichwohl kommen viele Menschen (2011, 75.800) gerne zum Arbeiten nach Bochum, wohnen wollen oder können sie hier aber nicht.

In Bochum ist die Zahl der Arbeitslosenquote unter 25 Jahre mit 7,6% vergleichsweise hoch (Platz 49). Die Beschäftigungsquote bei den über 55 jährigen dagegen mit 37,7% extrem niedrig (Platz 64). Dementsprechend ist der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und geringfügig Beschäftigten an den erwerbsfähigen Einwohnern (15 bis 65 Jahre) mit nur 56,1% ebenfalls sehr niedrig (Platz 63). Auch dieser Wert hat zwar leicht zugenommen (+2,9, Platz 56), jedoch wiederum nur unterdurchschnittlich (+4,1). Auch die Beschäftigtenzahl steigt nur unterdurchschnittlich (+5, Platz 63), im Mittel aller Städte stieg sie um fast das Doppelte (+9,8).

Trotz 50.000 Studenten in der Stadt, sind in Bochum nur 12,3% sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hochqualifiziert (Platz 50). Zum Vergleich, in den ersten 12 Städten liegt die Quote bei über 20 bis fast 30%. Aber der Anteil wächst (+3,2, Platz 37) und liegt sogar knapp über dem Mittel (3,1), wenn auch weniger als man es von einer Hochschulstadt erwarten könnte.

Hinsichtlich des Gewerbesteuersatzes ist Bochum für Unternehmen unattraktiv (Platz 61). Auch im Bereich wissensbasierte Jobs ist Bochum leider schlecht aufgestellt. Bei den Patentanmeldungen belegt die Stadt Platz 58. Trotz Universitäten und Hochschulen liegt der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im wissensintensiven Dienstleistungsbereich nur bei 19,7%. In den 15 führenden Städten liegt dieser Anteil bei 30 bis fast 40%. Im Mittel ist der Anteil der Beschäftigten in diesem Bereich um +1,1% gestiegen, in Bochum jedoch nur um +0,6 (Platz 47).

Nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Hochqualifizierten und der wenig vorhandenen entsprechenden Jobs liegt die Steuerkraft pro Einwohner für die Stadt nur bei 587 Euro (Platz 52). Die 9 besten Kommunen können dagegen 1.000 bis über 1.500 Euro pro Einwohner für sich verbuchen. Verheerend, die Steuerkraft sinkt in Bochum noch (-12 Euro pro Einwohner, Platz 54), während sie im Mittel aller Städte um +35,9 Euro gestiegen ist.

Am 02.01.2014 gibt es die Ruhr-Universität in Bochum seit 50 Jahren. Die dargelegten schlechten Indikatoren in der Stadt u.a. bei Hochqualifizierten und Jobs für Hochqualifizierte zeigt, dass die Stadt es über Jahrzehnte versäumt hat, insbesondere die Potenziale der Uni zu erschließen. Seit 50 Jahren studieren die Menschen in Bochum bleiben aber nicht hier, sondern wandern ab, da hier die adäquaten Jobs fehlen und die gewünschte Lebensqualität.

Es wird sehr deutlich, dass der Bochumer Abwärtstrend nicht die Folge des Strukturwandels ist, sondern das Resultat verpasster Chancen. Gezielte Aktivitäten um hochqualifizierte Jobs zu schaffen, wurden über Jahrzehnte gar keine unternommen, bis heute sind sie unzureichend und tragen kaum Früchte. Wenn es in Bochum eine positive Entwicklung gibt, dann ist sie leider regelmäßig unterdurchschnittlich.

Was bedeutet das für die zukünftige Wirtschaftsförderung? Endlich müssen klare Ziele und Strategien definiert werden. Wie sollen mehr Unternehmen für Bochum gewonnen werden, die in wissensintensiven Bereichen tätig sind? Wie können insbesondere hochqualifizierte Menschen in Bochum gehalten werden? Wie kann die Wirtschaftsstruktur geändert werden weg von Großunternehmen hin zu kleinen und mittelständischen Unternehmen? Wie können aktuell nicht in Deutschland präsente, ausländische Unternehmen für Bochum gewonnen werden? Dies sind nur einige Fragen, die sich schon seit Jahren stellen. Es wird Zeit, dass die Wirtschaftsförderung hierzu konkrete Konzepte vorlegt.

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