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Bochum und Wattenscheid – Stadt der Chancen

Posted on 28 Dezember 2013 by Dr. Volker Steude

Politik in einer Stadt ist nur erfolgreich, wenn sie die sich bietenden Chancen nutzt. Bochum und Wattenscheid haben viele davon, Bochum ist Universitätsstadt. 50.000 junge Menschen studieren in Bochum. Ein Potenzial ohne Gleichen. Am 2. Januar 1964 wurde mit dem Bau der RUB begonnen, also nunmehr vor 50 Jahren.

chancenEine Universität zieht eigentlich Menschen in die Stadt und Arbeitgeber die gut- und hochqualifizierte Beschäftigte suchen. Hier hat die Stadt die Universität jedoch leider 40 Jahre weitgehend ignoriert. Auch jetzt sind die Bemühungen eher zaghaft und wenig erfolgreich. Der Biomedizinpark kommt z.B. seit Jahren nicht voran, auch sonst wollen kaum Arbeitgeber mit gut- und hochqualifizierten Jobs kommen. Also bleiben die Studenten nicht hier.

Bochum und Wattenscheid sind eine grüne Stadt mit vielen Bäumen und Grünzügen. Es gibt schöne Viertel, aber auch Viertel die von Autobahnen oder ähnlich dimensionierten Straßen quasi eingeschlossen werden, an denen schon allein wegen des Lärms niemand mehr wohnen will. Auch eine Stadt für Fußgänger und Radfahrer ist Bochum und Wattenscheid (immer noch) nicht. Alles ist auf das Auto ausgerichtet, eine andere Fortbewegung ist langwierig, unbequem und manchmal, insbesondere für Kinder, gefährlich. Die Stadt wird durchzogen von vierspurigen Straßen, von denen jeweils eine häufig jedoch nicht zum Fahren genutzt, sondern zugeparkt wird.

Der Stadt sieht man an, dass sie seit Jahrzehnten pleite ist. 40 Jahre lang hat die Politik jedes Jahr Millionen mehr ausgegeben als sie einnehmen konnte. Die Stadt hat über ihre Verhältnisse gelebt. Jetzt ist kein Geld mehr da, Straßen, Gebäude und Infrastruktur in Schuss zu halten. Allerorten fährt man über Schlaglochpisten, wuchert das Unkraut oder stößt man auf öffentliche Gebäude wie Schulen in sanierungsbedürftigem Zustand.

In vielen Stadtvierteln schwinden die Läden, Leerstände prägen das Bild. Wattenscheid muss auf einen Weihnachtsmarkt verzichten, laut Veranstalter lohnt er sich für die Budenbetreiber nicht. Seit Jahren wurde an der Innenstadt in Wattenscheid nichts getan. Viele Gründerzeitbauten schreien nach einer Wiederherstellung. Aber nichts passiert.

Aber auch die Innenstadt in Bochum sieht aus wie jede beliebige Innenstadt in Deutschland. Der großspurige „Boulevard“ ist eigentlich nur eine schnöde Fußgängerzone. Entsprechend blieb die erhoffte Ansiedlung von neuen attraktiven Geschäften an der so gepriesenen neuen Flaniermeile aus. Es fehlt in der Innenstadt an einem besonderen Charakter. In den hat man leider nie investiert, dafür in Parkhäuser ohne Ende. Nur die hat jede andere Stadt im Umkreis auch.

Auch der Ruf unserer Stadt ist leider viel schlechter, als sie es tatsächlich verdient hat. Endgültig ruiniert haben die Stadtoberen ihn zuletzt mit Veranstaltungen wie Atrium-Talk, McCartney-Engagement und Steigeraward. Damit wollte man Promis nach Bochum holen , um das Stadtimage aufzupolieren. Dann jedoch kam raus, dass die Genossen ihrem Parteifreund Steinbrück nirgendwo nicht annähernd so viel Geld für einen 45-Minuten-Fussballtalk hinterher geworfen hatten wie in Bochum.

Im Ergebnis sinkt die Bevölkerung dramatisch. Die Belastung (z.B. Grundtsteuer) für die verbleibenden Bewohner steigt entsprechend. Geschäfte und Gastronomie haben zu kämpfen, weil mit dem Bevölkerungsschwund auch entsprechend viele Kunden und Gäste weg bleiben.

Viele Chancen hatte die Stadt, doch sie wurden nicht genutzt. Trotzdem ist Bochum und Wattenscheid weiterhin eine Stadt mit großem Potenzial. Es muss nur genutzt werden.

Wir sind eine Bildungsstadt. Hätten wir die Hochschulen und Universitäten nicht, unsere Stadt befände sich auf dem Niveau von Duisburg, Oberhausen oder Gelsenkirchen. So schlimm wie dort, ist es hier zum Glück (noch) nicht.

Es wird Zeit, dass wir aktiv um die 50.000 Studenten werben, damit sie Bürger unserer Stadt werden. Wir können sie nicht nur einfach mit der Zweitwohnungssteuer belasten. Könnten wir nur die Hälfte der Studenten zum Wohnen in der Stadt bewegen, wäre ein entscheidender Schritt getan, um den Bevölkerungsschwund zu stoppen.

Keine Stadt im Ruhrgebiet hat diese Chance in diesem Maße wie Bochum. Die jungen Menschen sind bereits in der Stadt, wir müssen sie allerdings zum Bleiben bewegen.

Die Stadt hat die Chance sich einen soliden Ruf als Bildungsstadt aufzubauen. Promisausen hat hier niemand nötig, die Menschen leben ohnehin „hier wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld“. Die Bewohner von Bochum und Wattenscheid haben immer durch Leistung überzeugt und nicht durch Schein.

Auch haben Bochumer und Wattenscheider gute Chancen, die Stadt attraktiver zu gestalten und die Lebensqualität zu erhöhen. Gelingt es den Verkehrslärm einzudämmen, werden viele Wohnquartiere lebenswerter. Rad- und Fußverkehr müssen ausgebaut werden, die Stadtviertel müssen aufgewertet werden. Es ist ein Umdenken erforderlich und schon lassen sich viele Chancen nutzen.

Das Geld darf nicht weiter in Prestigeprojekte in der Innenstadt fließen (U-Bahnen, „Bongard-Boulevard“, Musikzentrum u.a.). Die Entwicklung der Stadtviertel muss ganz oben auf die Agenda. Weitere Prestigeprojekte bringen die Stadt nicht weiter, auch nicht der Kauf von weiteren STEAG-Anteilen für über 100 Mio. Euro. Das Geld muss konsequent und zu allererst in die Substanz der Stadt fließen.

Endlich muss die Stadt so viel Geld in die Instandhaltung stecken, dass weiterer Verfall gestoppt wird und die erforderlichen Sanierungen in Angriff genommen werden können. Dann stehen die Chancen gut, dass wir die bestehende Substanz erhalten können und nicht wie beim Stadtbad, das modernste Bochumer Bad für immer aufgegeben werden muss oder etwa beim Amtshaus Harpen und dem Zeche-Holland-Förderturm das Abriss-Gespenst weiter umgeht.

Auch in der Bochumer Innenstadt bietet sich mit der Neubebauung von Justiz- und Telekomgelände eine einmalige Chance, etwas positiv für die Innenstadt zu bewegen. Nicht nochmals darf eine Investitionsruine wie im Gerberviertel oder bei der gesichtslosen Stadtbadgalerie (ohne Stadtbad und Galerie!) entstehen.

Bochum und Wattenscheid können es sich nicht weiter leisten über ihre Verhältnisse zu leben. Es kann in der Stadt nur so viel ausgegeben werden wie eingenommen wird. Was für jeden Bürger gilt, gilt auch für die Stadt. Wenn die Bürger überzeugt werden können, dass es sich lohnt für eine Zeit Entbehrungen auf sich zu nehmen, damit die Stadt schuldenfrei und wieder handlungsfähig wird, dann hat Bochum die Chance den Abwärtstrend umzukehren und zum prosperierenden Entwicklungsmotor im Ruhrgebiet zu werden.

Doch, wer ist in der Lage diese Wende einzuleiten und die Chancen zu nutzen? Wohl kaum die selben Köpfe, die das Geld der Stadt über Jahrzehnte in Prestigeprojekte überflüssige 4-spurige Straße und Tunnel versenkt haben, die es seit 40 Jahren nicht schaffen, vernünftig zu haushalten, so dass schließlich die Haushalte der Stadt über Jahre nicht genehmigt werden konnten und die für solch gesichtslose Bauten wie „Bongard-Boulevard“, Stadtbadgalerie oder Musikzentrum stehen. Es nicht zu erwarten, dass die Politiker, die seit 40 Jahren die Chancen ungenutzt lassen, jetzt auf einmal in der Lage sind, diese zu wahr zu nehmen.

Stadtpolitiker arbeiten ehrenamtlich und sie haben ihr Bestes versucht, dass ist anzuerkennen, trotzdem zeigt die Abwärtsentwicklung der Stadt, das Engagement war nicht erfolgreich.

Die Bürger müssen die Dinge selbst in die Hand nehmen. Bürger, die die Bürger im Stadtrat vertreten ohne landes-, bundes- oder sonstigen parteipolitischen Interessen verpflichtet zu sein, können die bisher verpassten Chancen nutzen. Bürgerbeteiligung wird einen anderen Stellenwert gewinnen. Über Posten bei Stadtwerken Sparkasse und den anderen städtischen Beteiligungsgesellschaften sowie den Dezernaten in der Stadtverwaltung entscheidet dann Kompetenz und Sachverstand und nicht mehr das Parteibuch. Bürger im Stadtrat entscheiden unabhängig, bei ihren Entscheidungen zählt allein das Wohl der Stadt und keine Lobbyinteressen.

40 Jahre blieben wichtige Chancen in unserer Stadt leider ungenutzt. Jetzt liegt es an uns Bürgern, wir haben die Chance, das für die Zukunft zu ändern:http://bowat.info/?lang=bo

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