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Bochumer Bauverwaltung zeigt sich gegenüber Belangen von Kindern demonstrativ desinteressiert

Posted on 11 März 2014 by Dr. Volker Steude

Nach dem Stadtrundgang kam Künstler Heinz Krautwurst zu der Ansicht in Bochum gäbe es viele gut geeignete Plätze für den Spieldrachen. Der Platz, der ihm am meisten gefiel, war der am Kuhhirten.

DSCF3046Am Freitag hatte sich der Künstler in einem Stadtrundgang die gesamte Innenstadt angeschaut (Beitrag vom 05.03.14). Dazu war er extra mit seiner Frau aus Schwabach in Mittelfranken angereist. Die Bauverwaltung jedoch verweigerte auf Anordnung von Stadtbaurat Kratzsch (SPD) jede Teilnahme. Man blieb man dem Rundgang fern und verlieh so dem behördlichen Desinteresse an den Belangen von Kindern in der Innenstadt nachhaltig Ausdruck.

Heinz Krautwurst erklärte gleichwohl die baulichen Anforderungen an den Drachen. Der Drache benötigt kein Fundament. Er kann direkt auf jedes Pflaster gelegt werden, ohne dass dieses dafür weggenommen oder zerstört werden muss. Bis zu einer Höhe von 60cm ist auch kein Fallschutz erforderlich. Soll der Drache höher werden, kann das Pflaster um den Drachen herum günstig durch Mineralbeton ausgetauscht werden.

Der Drache ist ein Bürgerprojekt, der Künstler errichtet ihn mit Hilfe von Schülern und Bürgern der Stadt in Gemeinschaftsarbeit. Überdies ist der Drache ein sehr langlebiges Objekt. Das älteste Werk des Künstlers dieser Art existiert bereits über 15 Jahre, ohne dass es ausgebessert werden musste.

Der vom Quartiersmanager der Interessengemeinschaft Boulevard / Brück4tel, Jürgen in der Beeck ins Spiel gebrachte Platz am Kuhhirten gefiel dem Künstler am besten. Zwischen dem geschwungenen Wasserlauf und den Bäumen würde sich der Drache hervorragend einpassen lassen.

DSCF3052Zum Platz am Kuhhirten hatte der Baudezernent Ernst Kratzsch (SPD) jedoch per Mail, ohne die Anforderungen des Drachens nur ansatzweise zu kennen, bereits verkündet: „Der von Ihnen aufgeführte Standort scheidet definitiv aus.“ Eine Begründung für diese Aussage blieb er jedoch schuldig.

Den Interessen von Kindern steht die städtische Verwaltung und insbesondere der SPD-Bauderzernent offensichtlich grundsätzlich ablehnend gegenüber. Versprechungen in dieser Hinsicht erweisen sich als unglaubwürdig, wie auch die Baugeschichte des Platzes am Kuhhirten leider zeigt.

Denn obwohl es, bereits als der Platz errichtet wurde, in der Vorlage der Verwaltung (20071256) hieß, die Kinder sollten den Platz mit dem Bach als Spielsituation wahrnehmen und zu diesem Zweck werde die Aufstellung weiterer Spielgeräte erfolgen, tat die Verwaltung hierzu bis heute nichts.

In der gennnten Vorlage heißt es wörtlich: „Die Anordnung weiterer Spielangebote für Kinder wird z.Zt. noch in die Planung integriert und ist in den vorliegenden Plänen noch nicht enthalten.“ Die geplante Aufstellung der Spielgeräte, so verspricht die von Kraztsch Bauverwaltung verfasste Vorlage dem Rat weiter, solle den politischen Gremien zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt werden.

Die 2007 versprochenen Spielgeräte gibt es auf dem Platz jedoch bis heute, 7 Jahre später, immer noch nicht, ebenso wenig wie die dazu angekündigte Vorlage. Die Aussage von 2007, dass z.Zt.(!) noch Spielgeräte für den Platz in Planung seien, war also nichts weiter als eine vorgetäuschte Aktivität, vermutlich um auf diese Weise für die geplante Umgstaltung des Platzes die Zustimmung des Rates zu erhalten.

Offensichtlich beabsichtigte niemand dort wirklich irgendwelche Spielgeräte aufzubauen und tut das auch heute nicht. Die jetzige kategorische Ablehnung des Spieldrachens durch den obersten Bauherren der Stadt und die fehlenden Bemühungen der Verwaltung hinsichtlich der versprochenen Spielgeräte, belegen, dass eine für Kinder attraktive Innenstadt offenbar von der städtischen Verwaltung abgelehnt wird.

DSCF3055Bezeichnend auch, dass ebenfalls keine Bemühungen bekannt sind, dass je eine Partei im Rat nachgefragt hat, was aus den versprochenen Spielgeräten für den Platz am Kuhhirten geworden ist, oder warum die diesbezüglich von der Verwaltung versprochene Vorlage ausblieb.

Zwei Schlüsse lassen sich aus diesem für das städtischen Image blamablen Vorfall ziehen: Erstens, Kinder haben in Bochum keine Lobby, zumindest nicht in der Innenstadt. Verwaltung und Politik scheinen in Bochum den Belangen von Kindern keine Aufmerksamkeit schenken zu wollen. Zweitens, der Baudezernent und nicht der zu diesem Zweck von den Bürgern gewählte Rat bestimmt bei uns über die Gestaltung der Innenstadt. Mal wieder hat sich der Rat von der Verwaltung düpieren lassen. Dieses Beispiel belegt ein weiteres Mal, regelmäßig entscheidet in der Stadt nicht der demokratisch gewählte Rat, sondern der Verwaltungsklüngel.

Fassen wir zusammen: Es gibt also einen Platz in der Stadt, für den der Rat die Anschaffung von Spielgeräten beschlossen hatte, die aber nie aufgestellt wurden. Jetzt bieten Bürger an, auf dem Platz, da wo die Spielgeräte seit Jahren fehlen, einen aus Sponsoringgeldern finanzierten Spieldrachen aufzustellen und der Baudezernent lehnt das Angebot ohne Begründung ab. Grotesk und selbstherrlich.

Auch wurde von der Presse vermutet, ob die Ablehnung des Drachens ggf. politische Gründe haben könnte, würden doch einige Mitglieder von „Bochum und Wattenscheid ändern mit Herz“ für die STADTGESTALTER bei den Kommunalwahlen für den Rat kandidieren. Es sei daher wohl nicht abwägig, zu vermuten, dass die SPD geführte Verwaltung die Gestaltung eines Spieldrachens durch STADTGESTALTER verhindern wolle, schließlich beharre die SPD, nach eigener Aussage, auf ihrem „Führungsanspruch in der Stadt“, da wolle sie dem vermeintlichen politischen Gegner wohl nicht mal die Ausgestaltung der Innenstadt mit einem Spieldrachen gestatten.

Es wäre sehr bedauerlich, wenn ein solches Projekt, das eigentlich nur die Innenstadt bereichern sollte, an sinnlosem Wahlkampfgezänk scheitert. Die Bürger wollen den Drachen in der Innenstadt, davon ist die Initiative „Bochum und Wattenscheid ändern mit Herz“ überzeugt.

Es gibt jetzt mehrere Handlungsoptionen. Es könnte ein Einwohnerantrag gestellt werden, um den Rat zu zwingen über die Aufstellung des Drachens zu entscheiden. Dazu sind 8.000 Unterschriften von Bürgern erforderlich. Auch würden andere kinderfreundliche Städte sicher liebend gerne den Drachen in ihrer Stadt aufbauen. Sofern die Stadtwerke zustimmen, könnte der Drache auch in Wattenscheid, Herne, Witten, Essen oder Dortmund eine Heimat finden.

1 Comments For This Post

  1. Urmelinchen Says:

    Dieser Drache wäre endlich mal ein bunter Lichtblick in diesem trostlosen betongrauen Einerlei der Bochumer Innenstadt, für das auch der Baudezernent verantwortlich zeichnen dürfte. Aber Bürgerwunsch zählt nicht in Bochum. Dass sich das in den nächsten Jahrzehnten – wie vieles andere auch – rächen wird, müssen/wollen die Stadtoberen vielleicht noch stärker zu spüren bekommen. Die Abwanderung scheint noch nicht hoch genug.

    Wenigstens diese Angelegenheit mal zur Abwechslung von der Presse aufgegriffen, die sich ja sonst auch eher als Hofschranzen kaprizieren.

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