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„Kissen, Wetter, Bier-Gefühl“ wird neuer Stadtslogan

Posted on 23 März 2014 by Dr. Volker Steude

So wird es kommen – ein fiktiver Bericht über die Entwicklung der neuen Stadtmarke für Bochum und Wattenscheid: Bochumer Marketingexperten machen eine 180°-Wende bei der Image-Suche für die Stadt. Statt „Wissen, Wandel, Wir-Gefühl“ soll der Werbeslogan der Stadt jetzt „Kissen, Wetter, Bier-Gefühl“ heißen. Das mangelnde Interesse der Bürger an unserem Bemühen, der Stadt ein neues Image zu verordnen, hat uns gezeigt, dass wir auf dem falschen Weg waren, räumt der Marketing-Chef ein. Nur wenige Bürger hatten sich bei der beabsichtigten Beteiligung der Bürger zur Entwicklung des neuen Stadtimages überhaupt bei Bochum-Marketing gemeldet (RN vom 06.03.14). Auch bei der Info-Veranstaltung waren kaum mehr als 20 Bürger anwesend.

fenster-wdr2Wir sollten nicht versuchen, mit unserer Werbekampagne über die Stadt ein Bild zu vermitteln, was wir in der Wirklichkeit nicht halten können und das daher aufgesetzt und konstruiert wirkt. Wichtig ist auch, mit der Werbebotschaft der Stadt müssen sich die Bürger der Stadt identifizieren. Wie singt schon Herbert Grönemeyer, Bochum, „bist’ne ehrliche Haut, leider total verbaut“. Der neue Werbeslogan müsse authentisch sein und könne durchaus den Humor der Menschen vermitteln.

Deshalb schlage man jetzt „Kissen, Wetter, Bier-Gefühl“ vor. Dieser Slogan treffe das ehrliche und humorvolles Lebensgefühl der Stadt. Mit dem neuen Slogan verbinde man ein bestimmtes Bild: Bei uns, wie überhaupt im Ruhrgebiet, schiebt man bei gutem Wetter gerne das Kissen über den Fensterrahmen, lehnt sich gemütlich raus, betrachtet das Leben auf seiner Straße mit einem guten Bier in der Hand und quatscht auch schon mal im Rippchen-Unterhemd mit dem Nachbarn auf der Straße oder im Fenster der Nachbarwohnung (WDR 2: Stefan Vogt sitzt mit Kissen im offenen Fenster, allerdings in Dortmund).

Die drei Worte des Slogans stehen für die Lebensfreude der Bürger in Bochum und Wattenscheid.

Kissen – In unserer Stadt sind die Menschen gemütlich und gesellig. Uns sind die Freundschaften und Bekanntschaften zu den Nachbarn, im Sportverein, in der Studentenkneipe oder im Kleingarten wichtig. Man ist offen und quatscht auch schon mal irgendwen auf der Straße an, um sich mit ihm über Stadt, Vfl, SG 09 oder anderes auszutauschen. Wer neu in der Stadt ist, kommt schnell mit seinen Nachbarn ins Gespräch. Hier lebt ein ganz besonderer Menschenschlag.

Wetter – Bei uns ist immer gutes Wetter. Es ist nie so kalt wie am Südpol und es regnet nie so viel wie am Äquator. Grillwetter ist bei uns das ganze Jahr. Bei Bochumern und Wattenscheidern scheint im Herzen immer die Sonne. Wir sind immer am liebsten draußen, beim Spiel, im Garten, beim Bier, am See oder in den Parks und Grünzügen der Stadt.

Bier-Gefühl – Wir trinken Bier, nicht Sekt, nicht Champus oder irgendwelche Kultgetränke. Schon Frank Goosen meint, der Ausdruck „sich etwas schön saufen“ muss wohl im Ruhrgebiet erfunden worden sein. Manche Bausünden in der Stadt wären anders sonst schwer zu ertragen. Aktuell ist insbesondere bei den Vfl-Fans angesichts der kritischen Tabellensituation ein erheblicher Bier-Konsum festzustellen. Moritz-Fiege stellt jedes Wochenende neue Umsatzrekorde auf. Ein Feierabendbierchen gehört bei Arbeitern wie bei Studenten zum beschaulichen Tagesausklang.

Insgesamt spiele der neue Werbeslogan mit dem Humor der Bochumer und Wattenscheider. Wir sind nicht eitel, sondern bodenständig und ziemlich direkt und haben es nicht nötig einen Schein zu vermitteln, der nicht der Wirklichkeit entspricht. Wer bei uns einen auf dicke Hose macht, wird schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Menschen bei uns sind authentisch, können einen Spaß vertragen und über sich selbst lachen.

Hier ist Pott, manchmal verbaut, an manchen Stellen grau, an vielen sehr grün. Das Leben hier ist spannend, vielfältig und bunt. Das sollen wir den Menschen vermitteln, die uns mal in der Stadt besuchen sollen. Unsere Stadt besticht nicht durch eine pittoreske Altstadt, aber durch offene Menschen, die jeden herzlich willkommen heißen. Unsere Stadt ist anders und überraschend. Da steht der alte Förderturm im Park und daneben tobt das Studenten- und Familienleben. An der Straße um die Ecke bröckelt der Charme von Gründerzeithäusern direkt neben architektonischen Scheußlichkeiten aus den 60er, 70er und 80er-Jahren. Wie beschreibt Goosen die Szenerien zutreffend: „Boah! Schön ist das nicht! Wir im Ruhrgebiet laden Auswärtige gern ein, zu uns zu kommen, um ihren Begriff von Schönheit zu erweitern.“

„Kissen, Wetter, Bier-Gefühl“ eine ehrliche Werbekampagne für 0 Euro. Bochum und Wattenscheid müssen sich kein Image geben, das nichts weiter als heiße Luft verbreitet. Investieren wir das Geld lieber in die Stadt, entwickeln wir sie weiter, dann wird sich auch das Image wandeln.

Wenn wir dazu noch Skandale vermeiden, wie Atrium-Talk, Steiger-Award, Platz des Europäischen Versprechens, Bochum macht jung und Musikzentrum, dann müssen wir uns keine Sorgen um das Image der Stadt machen. Am Ende kann die Stadt nur durch sich selbst überzeugen.

Bildnachweis: WDR2: 50 Dinge – Stefan Vogt sitzt mit Kissen im offenen Fenster (Sendung vom 05.08.2013)

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