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Unwetter – Bürger wollen helfen, aber wo?

Posted on 15 Juni 2014 by Dr. Volker Steude

Noch laufen die Aufräumarbeiten nach dem Unwetter vom 09.06.2014. Weiterhin sind hunderte von Menschen insbesondere von Feuerwehr, THW und verschiedensten städtischen Einrichtungen aber auch viele Freiwillige in der Stadt unterwegs, um die Schäden zu beseitigen. Die Bereitschaft der Bürger, zu helfen, ist riesig.

2014_Sturm_Ehrenmal_Bahnhofstr_0612_009Doch die Koordination stellt sich als Problem heraus. Die Stadt ist nicht in der Lage die von privaten Bürgern angebotene freiwillige Hilfe sinnvoll zu koordinieren. Es gibt keine sichtbare Anlaufstelle. Mittlerweile gibt es die Facebook-Gruppe „Bochum packt an!“ über die sich die Bürger selbst koordinieren und versuchen heraus zu finden, wo Hilfe benötigt wird und dann tätig werden. Der Versuch einer Kontaktaufnahme zwischen der Facebookgruppe und der Feuerwehr wie dem THW blieb bisher ohne Rückmeldung.

Leider nutzen die koordinierenden Stellen der Stadt anders als die Bürger auch das Internet nicht wirklich. Es fehlt z.B. an einer Karte, auf der die Stadt angibt, wo Hilfe von Freiwilligen wann benötigt wird, wo dann ein Koordinator vor Ort steht und die freiwilligen Bürger sinnvoll einsetzt. So bleiben viele Kräfte ungenutzt.

Natürlich hat die Stadt Bedenken, dass Privatleute sich beim Einsatz der privaten Kettensäge bei städtischen Bäumen verletzen oder sich beim Räumen in Gefahrenzonen begeben und dann von herunter fallenden Ästen begraben werden könnten. Aber es ist nicht jeder der Freiwilligen mit einer Kettensäge unterwegs. Andererseits sind auch nicht wenige Freiwillige mit der erforderlichen Schutzkleidung unterwegs und wissen mit einer Kettensäge umzugehen. Auch ist es möglich, diejenigen, die nicht sägen können oder wollen zum Aufräumen gezielt da einzusetzen, wo keine akute Gefahr (mehr) droht.

Immer besteht beim Beseitigen der Äste und Bäume für freiwillige wie professionelle Einsatzkräfte die Gefahr, dass sie zu Schaden kommen. Gleichzeitig stellen die auf der Straße und den Gehwegen liegenden Bäume auch eine permanente Gefahr für alle Passanten dar, wenn z.B. Fußgänger wegen der Unpassierbarkeit von Bürgersteigen auf die Straße ausweichen müssen. Aktuell erscheint das Risiko durch die Gefahrenstellen höher als die Gefahr für die Helfer sich bei den Aufräumarbeiten zu verletzen. Zuletzt genanntes Risiko kann auch minimiert werden, wenn die Einsatzleitung in der Lage wäre, die Freiwilligen dort einzusetzen, wo keine unmittelbare Gefahr droht bzw. diese so gering wie möglich ist.

Das Unwetter zeigt, dass Feuerwehr, THW und Stadt bei der eigenen Organisation vorteilhaft aufgestellt sind und dass die professionellen Einsätze gut koordiniert sind. Die schlimmsten Gefahrenstellen wurden beseitigt, jetzt ist die nächste Prioritätsstufe dran.

Bei der Kommunikation mit den Bürgern aber hakt es. Die Feuerwehr bittet auf der einen Internetseite darum, dass alle Schäden über das Bürgertelefon gemeldet werden sollen. Die Stadt informiert auf einer anderen Seite, dass sie das Bürgertelefon bis Montag 16.06. abgeschaltet hat. Eine Möglichkeit Schäden online zu melden (z.B. über eine Internetformular oder eine interaktive Karte ggf. sogar mit Foto) unabhängig vom Einsatz städtischer Kräfte, die diese an einem Telefon annehmen, gibt es leider nicht.

Auch die Information, welche Schule wann geschlossen hat, läuft nicht optimal. Die städtische Liste widerspricht immer wieder den Meldungen der einzelnen Schulen auf deren Internet-Seiten. Den Schulen ist es leider nicht möglich den aktuellen Status vor Ort direkt auf der Internetseite der Stadt zu melden. Auch bei den Schulen selbst besteht hinsichtlich der Kommunikation Verbesserungspotential. Teilweise fehlt es noch immer an einer direkten Kommunikation zwischen Schule, Schülern und Eltern über Mail oder sozialen Medien.

Auch schöpft die Stadt das Potential der Sozialen Medien lange nicht aus. Der relativ neue Twitter-Dienst der Stadt hat sich jetzt bewährt. In den Bochumer Facebook-Gruppen hingegen tritt die Stadt bisher leider nicht auf, obwohl z.B. in der größten über 12.500 Mitglieder mitlesen. Dieser Informationskanal bleibt ungenutzt.

Wie immer zeigt sich erst in Ausnahmesituationen, wo es gut läuft und wo es Dinge und Abläufe gibt, die es zu verbessern gilt. Während die Einsätzkräfte der Stadt vor Ort einen tollen Job machen, ist, nachdem alle Schäden beseitigt sind, zu überlegen, wie man die Kommunikation mit den Bürgern zukünftig verbessern kann.

Zu erwähnen bleibt, dass es insbesondere der freiwilligen Feuerwehr, dem THW, dem DRK und ähnlichen Organisationen an Nachwuchs fehlt. Das Unwetter hat gezeigt, wie wichtig diese Organisationen sind. Vielleicht motiviert das Unwetter einige Bürger sich ihnen anzuschließen.

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