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Geldverschwendung Gesundheitscampus – 15,6 Mio. für 2 Minuten weniger Fußweg

Posted on 19 April 2015 by Dr. Volker Steude

Und wieder hat sich die Stadtverwaltung verkalkuliert. Die neue U35-Haltestelle Gesundheitscampus wird wohl mindestens 1 Mio. teurer als geplant (WAZ vom 17.04.15). Statt 14,6 Mio. wird sie dann 15,6 Mio. kosten. Bei Beginn des Projektes waren die Kosten noch auf nur 11,3 Mio. geschätzt worden. Der Kostenanteil der Stadt wächst um mehr als 50% von 1,8 auf 2,8 Mio.

gesundheitsampus-wegeWegelängen von Hochschule und Gesundheitscampus zu den Haltestellen der U35.

Koblenz baut für rund 12 Mio. eine ganze Seilbahn (0,89 km). Bochum für 15,6 eine einzige Stadtbahnhaltestelle, die den Weg der Studenten von der Hochschule für Gesundheit um sage und schreibe 200m verkürzt. Statt zur Haltestelle Markstraße 525m zu laufen, müssen die Studenten jetzt zur neuen Haltestelle nur 325m laufen. Das bedeutet eine Ersparnis von zwei Minuten. Der Weg vom Biomedizinpark verkürzt sich immerhin um drei Minuten (300m). Allerdings ist nicht absehbar, ob und wann die hier seit 2007 leer stehenden Flächen jemals bebaut werden und wie viele Menschen hier irgendwann vielleicht einmal Arbeit finden.

Die erhofften Biomedizin-Unternehmen kamen jedenfalls nicht, also hat man das Gewerbegebiet erst kürzlich umbenannt in Gesundheitscampus. Aber auch das hat nichts bislang genützt. Weiterhin sind nur etwas über 20% der Flächen belegt. Die Brache zeugt von einer verfehlten Ansiedlungspolitik der Stadt.

Die Stadtbahnhaltestelle war und ist eine Farce. Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis. Die Haltestelle erzeugt sogar noch Nachteile. Die Fahrtzeit zu RUB und Hochschule verlängert sich um rund eine halbe Minute. Gleichzeitig verhindert die neue Haltestelle die eigentlich mögliche weitere Taktverdichtung auf der Strecke Hauptbahnhof zur RUB (Mitteilung Verwaltung 20101725). Diese wird aber dringend benötigt, da die U35 heute bereits total überlastet ist. Zu Spitzenzeiten müssen die Studenten heute zwei Bahnen abwarten, ehe sie einen Platz in der U35 bekommen, die sie zur RUB fährt.

Ein Treppenwitz der Geschichte. Dort, wo heute die neue Haltestelle errichtet wird, gab es als die U35 noch die Straßenbahnlinie 305 war, bereits eine Haltestelle. Denn, wo die Hochschule für Gesundheit errichtet wird, sollte ursprünglich die Universitätsklinik errichtet werden. Als die U35 kam, wurde Haltestelle jedoch abgerissen, jetzt wird sie neu gebaut.

Fehlplanungen haben in unsere Stadt schon Millionen vernichtet und die neue Stadtbahnhaltestelle ist nur ein weiteres Beispiel (siehe auch Abriss und Neubau der Straßenbahn in Langendreer).

Vorausschauende Planung ist auch heute noch in Bochum ein Fremdwort. Für 15,6 Mio. Euro hätte man einiges für den Ausbau des Bochumer Straßenbahnnetzes tun können. Politik und Verwaltung aber verschwenden das Geld für eine einzige, eigentlich unnütze Haltestelle.

Gleichzeitig fehlt es in Bochum an einem anspruchsvollen Plan, wie man das unterentwickelte Netz von Bus und Bahn sinnvoll ausbauen will. Zwar werden immer wieder diverse Ausbaupläne diskutiert, dann aber aufgrund der untragbar hohen Kosten wieder verworfen (z.B. die Weiterführung der Linie 308/318 über Harpen zum Ruhrpark).

Statt Netzerweiterungen voran zu treiben, wird eine neue Haltestelle für 15,6 Mio. errichtet. Die ÖPNV-Planung von Rot-Grün ist ziel- und anspruchslos. Mehr als die Bewahrung des Bestandes sieht sie bisher nicht vor, schon gar keine erheblichen Verbesserungen.

Bochum braucht keine neuen Haltestellen zu exorbitanten Preisen, ein anspruchsvoller Plan zum Ausbau des ÖPNV-Netzes ist gefragt. Wie sollen sonst die verstopften Straßen entlastet werden? Welche Linien sollen wie ausgebaut werden? Das sind die Fragen, die sich stellen. Da sind die Grünen, die wie keine andere Partei für umweltfreundlichen Verkehr stehen, bisher vieles schuldig geblieben. Während die Kollegen in Baden-Württemberg viel erreicht haben, ist im Ruhrgebiet kaum Wahrnehmbares geschehen.

Richtig ist, die Kommunen im Ruhrgebiet verfügen bei weitem nicht über so viel Geld wie die im Süden der Republik. Also muss man sich von teuren U-Bahn- und Straßenbahnprojekten verabschieden, innovative Projekte, bei denen man mit geringem Mitteleinsatz viel erreichen kann, sind gefragt. Die Stadtbahnhaltestelle Gesundheitscampus ist da leider das genaue Gegenteil.

Es gilt aus diesem Geldvernichtungsprojekt zu lernen. Es wird Zeit für einen modernen Nahverkehrsplan, der einen Ausbau des ÖPNV-Netzes vorsieht, dies zu möglichst geringen Kosten. Unser Anspruch darf nicht der Stillstand sein. Nur für 20% der Wege benutzen die Bochumer bisher Bus und Bahn, in modernen Großstädten sind es mindestens 30%. Das Ziel ist seit Jahrzehnten klar. Wir erreichen es nur durch deutlich bessere Nahverkehrsanbindungen und nicht durch Stadtbahnhaltestellen zu Phantasiepreisen. Solche Maßnahmen sind kontraproduktiv, erst recht, wenn dann noch die Kosten explodieren.

Man darf gespannt sein, ob der Nahverkehrsplan, den die Stadtverwaltung aktuell fortschreibt, in dieser Hinsicht wegweisend sein wird, oder ob er erneut ziel- und anspruchslos bleibt.

2 Comments For This Post

  1. Urmelinchen Says:

    Im Gegenzug habe ich heute in den RN gelesen, dass die Stadtbücherei aufgrund der Bochumer Haushaltslage sich dazu gezwungen sieht, ihre Öffnungszeiten einzuschränken. So traurig es ist, Bochum wird nie eine attraktive Stadt werden, der Strukturwandel wird auch niemals kommen, es bleibt alles beim Alten bzw. wird noch desolater.
    Dafür wird die kommende SPD-Regierung schon sorgen. Denn dass Eiskirch die Wahl gewinnen wird, ist ja sonnenklar. In Bochum wählt man SPD, weil Uroppa dat schon getan hat. Inhalte, Wahlprogramme, Erfolge, Misserfolge sind in diesem Zusammenhang völlig irrelevant. Für den Bochumer – so mein Eindruck – zählt einzig und allein das Parteibuch. Überspitzt formuliert: Selbst eine Kuh würde es hier noch ins Amt schaffen, sofern sie denn einen roten Schal um den Hals trägt.

  2. Maik Gratzke Says:

    Eine Bushaltestelle hätte gereicht. Wenn überhaupt. Aber da brauchte vielleicht jemand Geld. Und mit so einem Bauprojekt kann man was verdienen.

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